Überhitzte Bremsen, das Risiko beim GP von Deutschland in der MotoGP

26.06.2017

Am Sachsenring greift Marquez nach dem sechsten Sieg in Folge, muss dabei aber in der ersten Kurve mit Attacken von Viñales, Rossi, Dovizioso und Pedrosa rechnen

Mit dem Grand Prix von Deutschland, der vom 30. Juni bis 2. Juli auf dem Sachsenring stattfindet, ist die Halbzeit in der MotoGP erreicht. Vor zwei Wochen feierte die deutsche Rennstrecke mit der Austragung der ADAC Sachsenring Classic ihr neunzigjähriges Bestehen.

In Deutschland, allerdings am Nürburgring, gewann 1978 übrigens zum ersten Mal ein Motorrad mit Brembo Bremsen in der Königsklasse: es gewann Virginio Ferrari auf Suzuki mit nur 7 Zehntelsekunden Vorsprung auf Johnny Cecotto. Der Sachsenring ist die einzige Rennstrecke der MotoGP mit einer Länge von weniger als 4 km.

Trotzdem hat sie 13 Kurven, davon 10 linke. Die Geraden dagegen sind alle ziemlich kurz: die längste, die Zielgerade, ist nur etwas über 700 m lang. Die Streckenbeschaffenheit bringt eine mäßige Beanspruchung der Bremsen: drei der sieben Bremsungen dauern weniger als 2 Sekunden und eine vierte nur 2,2 Sekunden.

Das Fehlen von langen Geraden zwischen den Kurven erschwert hingegen das Abkühlen der Bremsanlage, auch weil dazu oft noch hohe Außentemperaturen dazukommen: 2015 erreichte der Asphalt während des Rennens 42 Grad.

Die Brembo Techniker, die in der diesjährigen MotoGP 100% der Fahrer betreuen, ordnen den Sachsenring in die Kategorie „mittelschwere Piste“ für die Bremsen ein. Auf einer Skala von 1 bis 5 hat sie den Schwierigkeitsgrad 3, die zweitniedrigste dieses Sommers nach dem TT Circuit Assen.

 

 

Der Bremseneinsatz während des GP


 

Innerhalb einer Runde setzen die Piloten der MotoGP die Bremsen sieben Mal ein, in Summe daher 210 Mal während des gesamten Rennens. Die 19 Sekunden pro Runde, in denen die Bremsen gefordert sind, sind der Negativrekord der Meisterschaft, noch kürzer als die 20 Sekunden in Philip Island, wo aber nur sechs Mal gebremst wird.

Im Unterschied zur australischen Rennstrecke, die nur eine einzige Verzögerung von 1g aufweist, zeichnet sich der Sachsenring allerdings mit ganzen vier Bremsungen mit mindestens 1,4g aus. Die anderen drei Bremsungen senken allerdings den Durchschnitt mit ihren 0,6 und 0,7g erheblich, sodass die Durchschnittsverzögerung pro Runde nur 1,1g beträgt.

Wenn man alle Kräfte, die ein Pilot vom Start bis zum Ziel auf den Brembo Bremshebel einsetzt, summiert, kommt man auf mehr als 9 Zentner, was etwa fünf BMW P4 Race entspricht, dem Serienmotorrad, auf dem Brembo Monoblock-Bremssättel, die ursprünglich aus der MotoGP kommen, montiert sind.

 

 
 

Die anspruchsvollsten Bremsungen

Von den sieben Bremsungen auf dem Sachsenring ist nur eine sehr anspruchsvoll für die Bremsen, drei sind mittelschwer und drei einfach.

Die Bremsung in der ersten Kurve bringt die größte Belastung für die Piloten und das Bremssystem: die Maschinen kommen mit 291 km/h an und fahren nach 244 Metern Bremsweg mit 74 km/h in die Kurve ein.

Die Piloten bleiben 5,2 Sekunden auf der Bremse und sind einer Verzögerung von 1,5g ausgesetzt. Der Druck der Brembo Bremsflüssigkeit HTC 64T erreicht 10,6 bar, das ist mehr als fünf Mal so hoch wie der Idealdruck einer Bierzapfanlage. Die Belastung auf den Hebel ist mit 6,1 kg gleich hoch wie in der 13. Kurve – der vor dem Ziel.

Auch der Bremsflüssigkeitsdruck ist dort gleich hoch, obwohl die Bremsung 3 Sekunden dauert, in denen die Motorräder der MotoGP 129 Meter zurücklegen. Andererseits kommen die Maschinen langsamer bei der 13. Kurve an (219 km/h) und sind nach der Bremsung schneller (95 km/h).

In den Kurven 2 und 3 werden die Bremsen jeweils auf weniger als 60 Metern eingesetzt: 56 Meter in Kurve 2, 58 Meter in Kurve 3, beide Male mit einer Kraft von 3kg auf den Bremshebel.


 

Brembos Erfolge

Wenn man die Grand Prix Rennen von Deutschland zusammenrechnet (also zum Sachsenring auch die früher am Hockenheimring und am Nürburgring ausgetragenen Rennen zählt) haben Motorräder mit Brembo Bremsen 30 Mal die Königsklasse gewonnen. Am Sachsenring hat kein einziges Motorrad, das die 500-er Klasse bzw. die MotoGP gewonnen hat, je auf Brembo Komponenten verzichtet. Honda hat die letzten sieben Rennen gewonnen: die ersten beiden Dani Pedrosa, die anderen Marc Marquez.