Der Formel-1 GP von Kanada 2016 aus Brembos Sicht

08.06.2016

Die Beanspruchung der Bremsen der Formel-1 Boliden am Gilles Villeneuve Kurs am Röntgenbild betrachtet

​Vom 10. bis 12. Juni ist der Circuit Gilles Villeneuve der 7. Austragungsort der Formel-1 WM 2016. Der erste GP auf dem auf der Insel Notre-Dame in Montreal (Amtssprache Französisch) gelegenen Kurs fand 1978 statt. Im Laufe der Jahre wurde die Strecke mehrmals geändert, bis sie 2002 ihre aktuelle Form erreichte. Der Circuit Gilles Villeneuve ist ohne jeden Zweifel der härteste Prüfstand für die Bremsanlagen der Boliden.


Es ist eine "Stop and Go"-Strecke, mit abrupten Bremsmanövern und Beschleunigungen. Die sehr nahe beieinander liegenden scharfen Kurven verursachen sehr hohe Betriebstemperaturen für Scheiben und Beläge, denen auf den kurzen Geraden nicht Zeit bleibt ausreichend abzukühlen. Um diesem Problem entgegen zu wirken, hat Brembo die Anzahl der Bohrungen für die Kühlung auf über 1000 pro Scheibe vervielfacht.


Diese Eigenschaften, zusammen mit einer signifikanten Prozentsatz an Bremszeit, bewirken eine sehr harte Mischung für die Bremsanlagen, auch angesichts der Tatsache, dass die aerodynamische Last (und damit der Rollwiderstand) nicht gerade sehr hoch ist. Das Szenario kann sich noch verschlimmern, wenn auf den beiden wichtigsten Geraden Rückenwind herrscht, der die Geschwindigkeit auf der Geraden merklich erhöhen kann, wodurch die Bremsen noch mehr auf die Probe gestellt werden.


Laut den Brembo Technikern, die die 21 WM-Strecken anhand einer Skala von 1 bis 10 eingestuft haben, fällt der Circuit Gilles Villeneuve in die Kategorie der sehr anspruchsvollen Strecken für die Bremsen. Die Strecke von Montreal wurde mit Schwierigkeitsgrad 10 bewertet, eine Wertung, die nur noch eine weitere Strecke erreicht, die von Abu Dhabi.


 

infografica del cicuito del GP del Canada 2016 con dettaglio curve e frenate Brembo  

 

Die Beanspruchung der Bremsen während des GP


Bei 7 Bremsungen pro Runde investiert der Fahrer nur 19% der gesamten Renndauer in das Bremsen. Die meisten Bremsmanöver bedeuten aber eine große Belastung für Boliden und Fahrer wie die durchschnittliche negative Beschleunigung von 4,3 g, die nur noch vom GP in Österreich übertroffen wird, beweist.


Die Energie, die jedes Fahrzeug während des gesamten GP beim Bremsen verbraucht, beträgt 149 kWh, das entspricht dem Stromverbrauch einer Waschmaschine, die 24 Stunden ununterbrochen in 9 kanadischen Wohnungen läuft. Vom Start bis zur Zielflagge wirkt auf das Bremspedal eine Gesamtlast von 61,5 Tonnen durch jeden Fahrer ein, das ist das Gesamtgewicht von über 110 kanadischen Elchen.


 

Die anspruchsvollsten Kurven


Von den 7 scharfen Kurven der Strecke von Montreal werden 4 von den Brembo Technikern als sehr, 2 als mittelmäßig und 1 als wenig anspruchsvoll eingestuft. Die kritischste ist die letzte, also die Schikane vor der berühmten "Champions-Mauer" wo die Kontrolle in der Kurveneinfahrt wesentlich ist, um nicht gegen die Begrenzung zu prallen. In dieser Kurve kann ein optimales Feingespür beim Bremsen den Unterschied zwischen einer guten Zeit und einem Ausfall wegen einer Kollision ausmachen.


Hier verringern die Fahrer ihre Geschwindigkeit auf nur 122 Meter, das sind zwei Eishockeyfelder, von 335 km/h auf 122 km/h: die negative Beschleunigung beträgt 5,6 g, die Bremszeit knapp 1,28 Sekunden. Sehr hoch ist auch die Last, die in den Kurven 1 (155 kg), 8 (151 kg) und 10 (148 kg) auf das Bremspedal einwirkt. Insbesondere in Kurve 10 wird von 302 km/h auf 60 km/h abgebremst. Die absolut kürzeste scharfe Kurve ist hingegen die Nr. 2, denn der Bremsweg beträgt nur 59 Meter bei einer Lasteinwirkung von nur 57 kg auf das Bremspedal.


 

Brembo Siege

                               

Die Boliden mit Brembo Bremsen haben 18 der 38 Auflagen des GP von Montreal, an dem sie teilgenommen haben, gewonnen, einschließlich der letzten 3. Kein noch aktiver Fahrer hat mehr als einen Sieg in Montreal mit Brembo Bremsen erreicht. 7 Mal war Michael Schumacher erfolgreich und 10 Mal Ferrari, aber der letzte Erfolg geht auf das Jahr 2004 zurück.