BREMBO VERRÄT, WIE SEINE BREMSEN BEIM FORMEL 1 GRAND PRIX VON CHINA 2017 EINGESETZT WERDEN

07.04.2017

Alles über die stärksten Bremsungen für die Fahrer, die Energieabgabe und die Bremszeiten

Vom 7. bis 9. April ist die Formel 1 für das zweite Rennen der Weltmeisterschaft 2017 zu Gast auf dem Shanghai Internation Circuit. Nach einem Projekt der Architekten Hermann Tilke und Peter Wahl wurde die Rennstrecke in einem Sumpfgebiet angelegt, Aus diesem Grund mussten vor Baubeginn 40.000 Säulen aus Stein aufgestellt werden, um den Untergrund zu festigen.

Begünstigt durch die langen Geraden, in denen der Einsatz des DRS möglich ist – die Zielgerade mit 764 Metern Länge, eine weitere 1.202 Meter lang – konnten beim GP von China 2016 181 Überholmanöver gezählt werden. Auf der Strecke sind aber auch fünf Kurven, die im 2. Gang genommen werden müssen und bei denen die Aerodynamik entscheidend ist.

Die Rennstrecke ist insgesamt für die Bremsen nicht extrem kritisch, vor allem auch weil die Fahrzeuge die meiste Zeit einen hohen Luftwiderstand haben. Die Brembo Techniker bewerten den Shanghai International Circuit in ihrer Bewertung der 20 Rennstecken der Weltmeisterschaft als mittelschwer für die Bremsen. Die Piste in Shanghai erhielt von ihnen die Bewertung 6 (von 10) genauso wie die Strecke in Austin. Jedes Team, das von Brembo ausgerüstet wird, verwendet eine “maßgeschneiderte” Bremsanlage, immer genau auf das jeweilige Fahrzeugdesign zugeschnitten und mit der Möglichkeit, auch während der Saison noch Änderungen vorzunehmen.

Dieses Jahr erhielten alle Bremssättel für alle Teams ein neues Design, um sich bei jedem Fahrzeug genau an die Aerodynamik, die die Rennställe für diese Saison entwickelt haben, anzupassen und trotzdem optimale Leichtigkeit und Festigkeit zu garantieren, obwohl der Bremsscheiben-Durchmesser größer geworden ist.

 

 

Die Beanspruchung der Bremse während des GP

Obwohl die Strecke nur ein paar Hundert Meter länger ist als die in Melbourne, werden die Bremsen, die hier fast 20 Sekunden pro Runde eingesetzt werden, auf dem Shanghai International Circuit stärker beansprucht: das führt dazu, dass die Rundenzeiten mehr als 13 Sekunden länger sind als auf dem australischen Kurs. Verglichen mit 2016 wurde die durchschnittliche Verzögerung größer und zwar von 3,4g (2016) auf 3,5g (2017). Obwohl als Absolutwert tatsächlich hoch, ist dieser Wert doch niedriger als der auf den meisten anderen Rennstrecken der WM.

Vom Start bis zur Zielflagge verwendet jeder Fahrer die Bremsen etwa 450 Mal und belastet das Bremspedal damit mit mehr als 40 Tonnen – vergleichbar mit dem Gewicht von 470 erwachsenen weiblichen Pandas.

Anders ausgedrückt steigt jeder Fahrer pro Minute mit einer Belastung von mehr als 370 kg auf die Bremse. Bei der Energieabgabe während der Bremsungen hingegen liegt der Shanghai Internation Circuit auf einem der hinteren Plätze: Durchschnittlich gibt ein Fahrzeug während der Bremsungen im gesamten Rennen etwa 124 kWh an Energie ab. Das entspricht etwa dem täglichen Strombedarf von 10 Einwohnern in Shanghai.


 

Die stärksten Bremsungen

Von den acht Bremsungen auf dem Shanghai International Circuit werden drei als anstrengend für die Bremsen eingestuft, zwei als mittelschwer und drei als leicht.

Die anstrengendste Stelle ist dabei die Kurve 14 mit ihren 5,7 g Verzögerung: die Boliden kommen dort mit über 330 km/h an und bremsen in nur 129 Metern auf 66 km/h herunter. An diesem Punkt wirken die Fahrer mit 125 kg auf das Bremspedal ein.

Durchaus beeindruckend auch die Bremsung in Kurve 6: die Geschwindigkeit geht dort innerhalb von 114 Metern von 295 km/h auf 81 km/h hinunter, die Verzögerung beträgt in der Spitze 4,6 g. In Kurve 11 ist der Bremsweg genauso lang, die Verzögerung etwas niedriger (4,5 g) und die Belastung auf das Pedal etwas höher (125 kg gegenüber 123 kg).

Ein Fall für sich ist die erste Kurve nach der Zielgeraden, wo die Rennwagen mit 323 km/h ankommen, da der Bremsweg weit ist und eigentlich bis zur zweiten Kurve reicht, die direkt auf die erste folgt: die Fahrer gehen dort praktisch gar nicht vom Pedal bzw. höchstens für einen Bruchteil einer Sekunde. Das erklärt die Gesamtzeit von 5,75 Sekunden dieser Bremsung.


 

Die Erfolge von Brembo

In China haben F1-Wagen mit Brembo Bremsen neun von den 13 bisher gefahrenen Rennen gewonnen, davon die letzten fünf. Sebastian Vettel gewann dort 2009 sein erstes Rennen mit Red Bull. Er erreichte auch die schnellste Pole Position von 1‘33“706, die jemals gefahren wurde. Dieser Rekord könnte dieses Jahr allerdings fallen.