Alle Unterschiede zwischen den neuen Gen 2-Boliden und den vorherigen Gen 1-Rennwagen der Formel E

10.12.2018

Die Revolution der ABB FIA-Formel-E-Meisterschaft: Motoren, Batterien und Bremsanlagen werden besser. Und wenn es hart auf hart kommt, legt Brembo erst richtig los!

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Die fünfte Saison der ABB FIA-Formel-E-Meisterschaft, die am 15. Dezember mit dem Rennen von Ad Diriyah (Saudi-Arabien) beginnt, stellt eine entscheidende Wende dar. Das gilt auch für Brembo, das von Spark Racing Technology (SRT) – exklusiver Lieferant der Gestelle für die ABB FIA-Formel-E-Meisterschaft für die Saisons 5 (2018/19), 6 (2019/2020) und 7 (2020/2021) – als einziger Lieferant der gesamten Bremsanlage aller Boliden ausgewählt wurde.

 

Wie schon Alejandro Agag, Planer und aktueller CEO der Rennserie, sagte, dienten die ersten 4 Saisons dazu, die Meisterschaft von Grund auf aufzubauen. Nachdem die Grundlagen geschaffen und ein großer Teil des Publikums gewonnen wurde, wurde daran gearbeitet, die Einsitzer immer leistungsstärker zu machen, indem Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit, Haltbarkeit der Batterie und sogar die Bremsleistung verbessert wurden. Eine wirklich große technologische Herausforderung, bei der Brembo wieder einmal die Hauptrolle spielte. ​​ ​​​​​​ ​


 
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​EINE GESCHICHTE VOLLER ERFOLGE​​

Von 1975 bis heute haben Rennwagen mit Brembo-Komponenten 28 Konstrukteurstitel und 25 Fahrertitel bei den Formel-1-Weltmeisterschaften gewonnen, sowie zahlreiche Formel-2-, Formel-3- und Formel-4-Meisterschaften: Einer der letzten war Mick Schumacher, der die europäische Formel 3 mit der Prema Theodore Racing gewann.

 

Die Beteiligung an der Formel E stellt für Brembo, das sich seit jeher für die Suche nach innovativen Lösungen einsetzt, ein wertvolles mobiles Labor zur Entwicklung angewandter Technologien für Elektroautos dar - die wahre Herausforderung der Zukunft, wenn nicht gar der Gegenwart, in der Automobilbranche. Eine Herausforderung, bei der Brembo das bestmögliche Gleichgewicht zwischen gegensätzlichen Ansprüchen an Leistung, Sicherheit, Gewicht, Haltbarkeit, Konstanz der Leistung und Preis anbietet. ​ ​


 

ENORME LEISTUNGSVERBESSERUNGEN​​​​

Die Gen2 der Formel E stellen einen außergewöhnlichen Fortschritt dar, da nun Batterien verwendet werden, die fast doppelt so leistungsstark sind wie die Batterien der vorherigen 4 Saisons: Im Vergleich zu den ehemals 28 kWh verfügen die Boliden jetzt über 54 kWh, wodurch in der Qualifikation 250 kW und im Rennen 220 kW Leistung garantiert werden.

 

Einfacher ausgedrückt, konnte dadurch die Maximalgeschwindigkeit von 225 km/h auf 280 km/h erhöht werden, ein Anstieg von 24 Prozent. Sogar die Beschleunigung hat davon profitiert, wie an der Beschleunigung aus dem Stand zu sehen ist: Die Gen1 brauchten etwas weniger als dreieinhalb Sekunden, um 100 km/h zu erreichen, während die Gen2 schon in 2,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Die fast sieben Zehntelsekunden stellen eine Verbesserung von 20 Prozent dar. ​​​


 

DIE ANDEREN NEUHEITEN DER GEN2​

Die neue Batterie verbessert nicht nur die Leistungen in der Runde, sondern ist auch unverzichtbar, um die gesamte Rennstrecke zurückzulegen, ohne extra aus einem Auto aus- und in ein anderes einsteigen zu müssen: Bis zur vierten Saison waren die Rennfahrer tatsächlich gezwungen, nach der Hälfte des Rennens in die Box zurückzukehren, um in einen zweiten Boliden einzusteigen. Darüber hinaus weist das Halo-System der Formel E eine LED auf, die es dem Publikum ermöglicht zu sehen, wieviel Leistung des Fahrzeugs verwendet wird.

 

Eine andere Neuheit der Gen2 der Formel E ist die Abdeckung sowohl der Vorder- als auch der Hinterräder: eine Lösung, durch die sich die Formel E an die Prototypen LMP1 und LMP2 annähert, die im 24-Stunden-Rennen von Le Mans fahren, ein Wettbewerb, bei dem 26 der letzten 29 Rennen mit Brembo-Bremsen gewonnen wurden. Dieser Erfolg zeigt, wie gut Überhitzungen auch ohne den Luftstrom durch die freistehenden Räder vermieden werden können. ​

 

 
 

DIE FOLGEN FÜR DIE BREMSANLAGE​

Das höhere Gewicht der Batterie (20 % mehr, von 320 auf 385 kg) und des gesamten Rennwagens (20 kg mehr, von 880 auf 900 kg) hat natürlich auch Auswirkungen auf die Beanspruchung der Bremsanlage. Ein schwereres Auto braucht auch eine höhere Bremsenergie, um dieselben Leistungen bei abrupten Bremsungen zu erzielen. Außerdem müssen die Bremsen aufgrund der höheren Geschwindigkeiten auf der geraden Strecke länger benutzt werden, um mit der richtigen Geschwindigkeit in die Kurve einzufahren.

 

Und als ob das nicht genug wäre, müssen die Brembo-Bremsen der Gen2 nun die gesamten 45 Minuten (eine Runde länger) durchhalten, im Gegensatz zu den Gen1, die nur für die halbe Rennstrecke eingesetzt wurden (denn nach der Hälfte wurde der Rennwagen in der Box gewechselt). Dabei darf die Leistung vom Start bis zur Zielgeraden nicht abfallen. ​


 

DIE AUSGEWÄHLTE ANLAGE ​​​

​All diese Überlegungen haben Brembo dazu veranlasst, Scheiben und Beläge aus Carbon zu verwenden, auch wenn sie sich von den in der Formel 1 verwendeten unterscheiden, um die Ansprüche eines vollständig elektrischen Fahrzeugs zu erfüllen: Bei den Scheiben beträgt die Dicke 24 mm vorn und 20 mm hinten, während die Beläge eine Dicke von 18 mm bzw. 16 mm aufweisen. Es gibt 70 Belüftungslochungen vorne (6,2 mm Durchmesser) und 90 hinten (4,2 mm Durchmesser). ​​

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Die Scheiben wirken mit nur einem Modell des vorderen Bremssattels und einem des hinteren Bremssattels, beide mit 4 Kolben: Die vorderen benutzen 30-36 mm lange Kolben, die hinteren 26-28 mm lange Kolben. Beide werden aus einem einzigen Materialblock gefräst und aus einer oxidierten Aluminiumlegierung hergestellt. Das Gewicht ist rekordverdächtig: 1,2 kg jeder vordere Bremssattel und 1 kg jeder hintere Bremssattel.

 

Zur Kostenreduzierung wurde eine Aluminiumglocke mit Befestigungsbuchsen eingesetzt sowie eine einstufige Tandempumpe, die ebenfalls von Brembo hergestellt wurden: Letztere versorgt sowohl die vordere als auch die hintere Anlage, was für eine feste Verteilung der Bremsung sorgt. Die Anlage ist nicht nur dieselbe für alle Teams, sondern bleibt auch die ganze Saison über gleich, und kann während des Jahres nicht weiterentwickelt werden. ​