WIE DIE POWER UNITS DIE BREMSEN IN DER FORMEL 1 VERÄNDERT HABEN

13.03.2017

Höheres Gewicht und mehr Pferdestärken machten Änderungen des Bremssystems in der Formel 1 notwendig

 

Wenn sich das Reglement im Motorsport ändert, besteht immer die Gefahr, am Anfang der bevorstehenden Rennsaison nicht gut genug vorbereitet zu sein. Es reicht schon, eine der Variablen zu unterschätzen oder einem der Elemente, die im Spiel sind, nicht die richtige Bedeutung zu geben, und schon riskiert man, ins Hintertreffen zu geraten.

Ein gutes Beispiel war in der Formel 1 Ende 2013, als die Power Units eingeführt wurden und damit die Turbos wiederkamen. Eine Neuerung, die auch auf die Bremsanlagen Einfluss hatte, weshalb Brembo die technischen Lösungen überarbeiten mussten. Brembo ist bekannt dafür, kontinuierlich neue Lösungen zu entwickeln, und wird als Vorreiter im Bereich der Bremse angesehen.

Wie auf www.brembo.com zu lesen ist, investiert das Unternehmen jedes Jahr einen wichtigen Teil seines Umsatzes – nämlich 5% - in Forschung & Entwicklung und beschäftigt in diesem Bereich 10% der Mitarbeiter. Ein so hoher Anteil an Ingenieuren und Fachkräften – gesamt arbeiten bei Brembo weltweit mehr als 9.000 Mitarbeiter – zeigt, wie sehr Brembo an die schier unendlichen Möglichkeiten, die die Zukunft bietet, glaubt.

Jeden Tag sind die Mitarbeiter der F&E-Abteilung damit beschäftigt, immer sicherere Produkte bei gleichzeitig steigender Performance zu entwickeln. Werfen wir also einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen der letzten drei Jahre in der Formel 1, die im Zeichen der Power Unit standen, natürlich mit dem Hauptaugenmerk auf die Bremsen und ihre Leistungen .


 


JAHR 1: DIE HERAUSFORDERUNG


Mit der Einführung der Power Units erstarkten die F1-Boliden von einem Moment auf den anderen von 750 PS (Schätzwert Ende 2013) auf 850 PS (Saison 2014). Das Reglement verordnete außerdem eine Erhöhung des Mindestgewichts von 642kg (2013) auf 691kg im nächsten Jahr.

Beides beeinflusst das Bremssystem erheblich, deshalb musste es entsprechend verstärkt werden. Aufgrund der Einführung des ERS zusätzlich zum KERS musste außerdem die Bremsanlage an der Hinterachse angepasst werden.

Um auch hinten weiterhin die optimale Bremsfunktion zu garantieren wurde Brake-by-Wire (BBW) eingeführt, also unterstütztes Bremsen, bei dem statt des Fahrers eine elektronische Schalteinheit das Bremsen übernimmt.

Die geringere Verteilung der Bremskraft auf die Hinterachse machte es möglich, Durchmesser und Stärke der Bremsscheiben hinten zu verkleinern, da nun hinten weniger Energie abgeführt werden muss.

BILANZ 2014: 19 SIEGE, 19 POLE POSITIONS, 16 SCHNELLSTE RUNDEN, 45 PODIUMSPLÄTZE UND 1.083 RUNDEN ALS FÜHRENDE .


 

JAHR 2: WEITER SO

In der Rennsaison 2015 wurde das Mindestgewicht der Formel 1- Autos noch weiter - auf 702 kg - erhöht, gleichzeitig wurden widerstandsfähigere Reifen eingesetzt.

Die Motorenentwickler schafften es außerdem, noch mehr Leistung aus dem Triebwerk zu holen und zwar bis zu 900 PS. Wieder mussten die Bremsenhersteller ihre Bremssysteme an die neuen Anforderungen anpassen.

Um das Abkühlverhalten der Carbon-Bremsscheiben, die in der Formel 1 bis zu 1.200°C erreichen können, zu optimieren, erhöhte Brembo die Anzahl der Lüftungslöcher von 1.000 auf 1.200, die Lochdurchmesser wurden dafür kleiner.

Die Belüftung wurde dabei an die einzelnen Fahrzeuge angepasst, um sie perfekt mit der jeweils benutzten Luftansaugung jedes Teams zu kombinieren. Die weiter verbesserten und effizienteren Aluminium-Lithium-Bremssättel werden in einer mechanischen Bearbeitung von mehr als 14 Stunden hergestellt, um das perfekte Verhältnis von Gewicht und Steifigkeit zu erhalten.

Zusätzlich dazu führte Brembo ein neues Reibmaterial ein. Der Einsatz des Materials CER 300 für die Bremsscheiben verringert die Abnutzung erheblich und ermöglicht gleichzeitig eine effizientere Wärmeableitung bzw. eine kürzere Aufwärmphase.

Für die Beläge, die auch belüftet sind, wurde das Material CCR 700 verwendet.

BILANZ 2015: 19 SIEGE, 19 POLE-POSITIONS, 19 SCHNELLSTE RUNDEN, 51 PODIUMSPLÄTZE UND 1.129 RUNDEN ALS FÜHRENDE .

 

 
 

JAHR 3: ALLER GUTEN DINGE SIND DREI

In der Saison 2016 kam es zwar zu keinen wesentlichen Veränderungen des technischen Reglements, sie zeichnete sich aber durch eine weiter ansteigende Leistung der Rennwagen aus: den Power Units von Mercedes wurden von vielen Beobachtern 950 PS nachgesagt.

Wohl auch ein Grund dafür, dass letztes Jahr in Mexiko einige Fahrzeuge Geschwindigkeiten bis zu 370 km/h erreichten. Um den steigenden PS und den neu entwickelten aerodynamischen Lösungen Rechnung zu tragen, entwickelte Brembo die Bremsanlagen weiter und passte sie an die Anforderungen der einzelnen Teams an.

Die Rennställe erwarten mehr und mehr Bremssysteme nach Maß bzw. solche, an denen auch während der Rennsaison noch etwas verändert werden kann, um sie bei Bedarf noch mehr zu optimieren.

Die Feinarbeit an den jeweiligen Elementen führte dazu, dass die Komponenten leichter und kompakter wurden, ihre Performance konnte dabei gleichzeitig noch weiter verbessert werden.

Um den Wünschen der Rennställe noch mehr zu entsprechen, wurden sogar die Lüftungslöcher der Bremsbeläge (pro Belag bis zu 80 an der Zahl) individuell gestaltet.

BILANZ 2016: 21 SIEGE, 21 POLE-POSITIONS, 19 SCHNELLSTE RUNDEN, 60 PODIUMSPLÄTZE UND 1.268 RUNDEN ALS FÜHRENDE.


 
 

DIE BILANZ

Seit Einführung der Power Units wurden 59 GP mit insgesamt 3.551 Runden ausgetragen.

a) Rennwagen mit Brembo Bremsen haben 59 GP Rennen gewonnen: Quote 100%

b) Rennwagen mit Brembo Bremsanlagen haben 58 Pole-Positions erreicht: Quote 98,31%

c) Rennwagen mit Brembo Bremsanlagen haben 54 schnellste Runden geschafft: Quote 91,53%

d) Rennwagen mit Brembo Bremsanlagen haben 156 Podiumsplätze erobert: Quote 88,14%

e) Rennwagen mit Brembo Bremsanlagen waren 3.480 Runden lang in Führung: Quote 98%

Der größte Verdienst daran liegt natürlich bei Mercedes-AMG Petronas Motorsport: in diesen drei Jahren gingen 51 Siege, 56 Pole-Positions, 34 schnellste Runden, 96 Podiumsplätze und 2.968 Runden als Führende auf das Konto der Silberpfeile.


 

Einen nicht unerheblichen Anteil an diesem Erfolg hat aber auch Brembo, nicht zuletzt dank der langjährigen Erfahrung in der Formel 1, wo Brembo seit 1975 ununterbrochen vertreten ist.

Die nächste Revolution im Reglement steht bevor, die Rennwagen und ihre Bereifung werden noch größer, auch die Breite der Flügel und die Größe der rückwärtigen Diffusoren, außerdem erhalten die Wagen 5 kg mehr Treibstoff. Auch dies wird sich wieder stark auf die Bremsanlagen auswirken.

Brembos Ingenieure sind daher schon seit Monaten an der Arbeit, um die besten Lösungen für die Rennwagen 2017 zu erarbeiten. Um mehr über die Bremsen für die Saison 2017 zu erfahren, müsst Ihr Euch allerdings noch ein paar Wochen gedulden, bis wir die Neuheiten, die Brembo diesmal in petto hat, enthüllen können.