Bremsen am Limit in den ersten Kurven des Formel 1 Grand Prix von Österreich 2017

04.07.2017

Der Red Bull Ring verlangt den Bremsanlagen alles ab, jedenfalls in einem Abschnitt

Nach dem Abstecher an die Kaspische See kehrt der Formel 1 – Zirkus für das neunte Rennen der Weltmeisterschaft 2017 in das Herz Europas zurück.

Schauplatz des GP von Österreich ist der Red Bull Ring in der Nähe von Spielberg in der Steiermark, der im Mai 2011 feierlich eröffnet wurde.


 

Nach dem Abstecher an die Kaspische See kehrt der Formel 1 – Zirkus für das neunte Rennen der Weltmeisterschaft 2017 in das Herz Europas zurück.

Schauplatz des GP von Österreich ist der Red Bull Ring in der Nähe von Spielberg in der Steiermark, der im Mai 2011 feierlich eröffnet wurde.

Obwohl er ungefähr so lange ist wie die Strecken in Budapest und Montreal (jeweils ca. 4,3km), ist die österreichische Piste die einzige der gesamten WM, auf der eine Runde in weniger als 70 Sekunden gefahren wird: Letztes Jahr fuhr Lewis Hamilton mit seinem Mercedes in nur 1‘07“922 auf die Pole Position.

Grund dafür ist die hohe Geschwindigkeit, in der auf der Piste gefahren werden kann, aber auch die Tatsache, dass es nur wenige Kurven gibt und die Fahrer nur bei drei von ihnen länger als eine Sekunde auf der Bremse stehen.

Erschwerend bei der Beschleunigungs- und Bremsstrategie kommt dabei die Streckenbeschaffenheit dazu: der Höhenunterschied zwischen niedrigstem und höchstem Punkt ist 65 Meter.

Laut Einschätzung der Brembo Techniker, die die 20 Rennstrecken der Weltmeisterschaft innerhalb einer Skala von 1 bis 10 bewertet haben, gehört der Red Bull Ring in die Kategorie der „sehr anspruchsvollen“ Pisten für die Bremse.

Der österreichische Kurs erhielt somit die Bewertung 8, so wie die Rennstrecken in Monza, Melbourne, Sotschi und Baku.

 

 
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Der Beanspruchung der Bremse während des GP

In jeder Runde werden die Bremsen sieben Mal eingesetzt, insgesamt weniger als 9,5 Sekunden pro Runde, nur 4 Zehntel länger als in Monza.

Vom Start bis zur Zielflagge sind die Bremsen daher insgesamt 11 Minuten im Einsatz, das entspricht 15% des gesamten Rennens. Im zweiten Teil der Strecke, ab der Rauch-Kurve, werden die Bremsen noch weniger gebraucht: im ersten Teil 6,5 Sekunden, im zweiten weniger als 3 Sekunden.

Das wirkt sich entsprechend auch auf die maximale Verzögerung aus: nach den durchschnittlich 4,7g in der ersten Hälfte der Strecke sind es im restlichen Teil nur 3,9g. Die Gesamtverzögerung ist daher 4,2g, genauso wie in Barcelona.

Auch die Energie, die während der Bremsungen abgegeben wird, ist entsprechend hoch: 166kWh, was ungefähr der Energie entspricht, die man benötigt, um 55 mechanische Bullen zu aktivieren.

Insgesamt steht jeder Pilot während eines Rennens etwas weniger als 500 Mal auf der Bremse und belastet das Bremspedal damit in Summe mit mehr als 68 Tonnen – das ist mehr als das Dreifache des Gewichts aller CDs mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, die 2016 weltweit verkauft wurden.


 

Die stärksten Bremsungen

Von den sieben Bremsungen auf dem Red Bull Ring werden drei als schwierig, zwei als mittelschwierig und zwei als einfach eingestuft. Die für die Bremsanlagen anspruchsvollste Bremsung ist die vor der Remus-Kurve (Kurve Nr.3): die Boliden kommen dort mit 307 km/h an und werden innerhalb von 2,4 Sekunden auf 76 km/h heruntergebremst.

Um das zu schaffen, müssen die Fahrer mit 161kg auf das Bremspedal treten und sind dabei einer Verzögerung von 4,7g ausgesetzt. Die Rennwagen legen 65 Meter mit gedrücktem Bremspedal zurück, etwa 2/3 so lang wie der Salzburger Dom hoch ist.

Auch in der Kurve Nr.1, der Castrol-Kurve, und in der Kurve Nr.4, der Schlossgold-Kurve, sind die Piloten einer Verzögerung von 4,7g ausgesetzt, vor allem weil sie in den Gerade davor 317 km/h erreichen. Bei diesen beiden fahren die Autos allerdings schneller in die Kurve hinein als in die Remus-Kurve: mit 137 km/h in die erste, mit 106km/h in die vierte Kurve.

In letzterer betätigen die Fahrer das Bremspedal 2,32 Sekunden mit einer Belastung von 159kg, für die andere reichen 1,77 Sekunden mit 164kg Belastung.


 

Die Erfolge von Brembo

Alle fünf Rennen seit der Wiederaufnahme des GP von Österreich in der Formel 1 wurden mit Rennwagen, die mit Brembo Bremsen ausgestattet waren, gewonnen. Es ist eine der wenigen Rennstrecken weltweit, auf der Sebastian Vettel bisher noch nicht gewonnen hat.